Madlens Stimme klang vertraut, ruhig und gar nicht müde, obwohl es mitten in der Nacht war, als ich sie mit einem Blasensprung anrief. Am Morgen trafen mein Mann und ich sie im Geburtshaus. Es folgten eine Untersuchung, ein CTG und verschiedene Fragen. Mit einem Gefühl von Sicherheit und Zuversicht fuhren wir wieder nach Hause.

Die Vorsorgetermine im Geburtshaus bei Madlen und Inka waren immer sehr persönlich und ganzheitlich. Dadurch war mir mein ungeborenes Kind noch bewusster und näher. Weiter verstärkt wurde dieses Gefühl durch den Kurs zur mentalen Geburtsvorbereitung von Inka.

Abends trafen wir Madlen wieder. Um das Einsetzen der Wehen zu fördern, entschieden wir uns nun für ein Getränk mit Rizinusöl, was das Schreiben weiterer CTGs erforderte.

Währenddessen schauten wir aus dem Fenster in die Kronen der großen alten Linden. Im kleinen Garten in der milden Sommerabendatmosphäre, schauten wir uns die Bäume von unten an. Ich stieg Treppen auf und ab und es roch nach Schokoladenkuchen, den Madlen für das morgige Sommerfest gebacken hatte. Uns war klar, dass die Geburt im Krankhaus eingeleitet werden müsste, sollten die Wehen nicht innerhalb der nächsten paar Stunden einsetzen.

Im Gegensatz zur Geburt unserer Tochter, die in einer Klinik stattgefunden hatte, erhofften wir uns bei unserem zweiten Kind die Möglichkeit einer selbstbestimmten Geburt. 

Durch Madlens Zuversicht und die angenehme Atmosphäre war es möglich entspannt zu bleiben bis die Wehen endlich einsetzten. Nach einer ganzen Zeit fand ich keine erleichternde Position mehr. Kurz darauf trat anstelle des Schmerzes ein starkes Druckgefühl. Der Satz aus dem Vorbereitungskurs, eine Wehe als Kraft wahrzunehmen machte nun für mich Sinn. Zur Geburt kam Beatrice hinzu. Zusammen mit Madlen unterstützte sie mich in all meinen Wünschen und gab mir hilfreiche Anregungen.

Um kurz vor sechs wurde unser Sohn geboren. Da lag er. Die Welt stand für einen Moment still.

Bereits jetzt verliebt in den kleinen Mann wurden wir etwas später fröhlich in einen herrlichen Sommertag entlassen.

Ob es nun das Rizinusöl war oder die passende Atmosphäre, die zum Einsetzen der Wehen führte, kann wohl nicht gesagt werden. Sehr wohl kann ich aber sagen, dass ich mir keine bessere Betreuung oder schöneren Ort für eine Geburt vorstellen kann.

Jana