Unser Schüler Constantin berichtet, als Autor des folgenden Textes, von seinen Eindrücken im Geburtshaus:

Im Geburtshaus in Münster hatte ich in den Monaten Februar und März 2019 eine spannende und wundervolle Zeit. Im Rahmen meiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger hatte ich hier am Ende meines zweiten Ausbildungsjahres vier Wochen lang meinen schönsten praktischen Einsatz. Vom ersten Tag an habe ich mich willkommen und wertgeschätzt gefühlt. Die fünf Hebammen und die Sekretärin haben mich sehr freundlich in ihrer Mitte aufgenommen und mich an ihren Erfahrungen und Wissen teilhaben lassen. Die ruhige, positive und respektvolle Atmosphäre in dieser schönen Villa erlebt man anderenorts viel zu selten. Doch genau Punkte wie Gesundheits- und Ressourcenorientiertheit, individuelle Betreuung und der offene, akzeptierende und achtsame Umgamg sind für mich essenzieller Teil der professionellen Pflege. All dies habe ich hier täglich vorgelebt bekommen.
Die werdenden Mütter (und auch die Väter), die sich bewusst für eine natürliche Geburt in einem geborgenen Umfeld entschieden haben, konnte ich in verschieden Situationen und Phasen ihrer Schwangerschaft begleiten. So war ich beim Tag der offenen Tür, Erstgesprächen, Anamnesen, Vertrags- und Prophylaxe-Gesprächen, Geburtsvorbereitungskursen, Nachgesprächen zur Reflexion der Geburt, Wochenbettbetreuung zu Hause bei den frisch gebackenen Eltern und Rückbildungsgymnastikkursen dabei. Hinzu kamen viele Vorsorgen, bei denen ich die werdenden Mütter noch besser und persönlicher kennenlernen konnte. Dort habe ich von den erfahrenen Kolleginnen gelernt, ein CTG zu schreiben, die Lage eines Kindes im Bauch zu ertasten und dabei den ein oder anderen Tritt zu spüren, die Herztöne des Ungeborenen mit dem Hörrohr zu zählen, um damit die fetale Herzfrequenz zu messen, mit dem Dopton umzugehen und auch mal mit dem Ultraschallgerät einen genaueren Blick ins Innere zu werfen. Auch neu für mich war es über die eigenen Dienstzeiten bestimmen zu können, Rufbereitschaft zu haben und darauf zu warten, dass es bald losgeht, um dann tatsächlich mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen zu werden wenn das Handy klingelt, um sich dann auf den Weg zu machen.
Ich hatte das große Glück, drei Geburten begleiten zu dürfen. Das Vertrauen was mir hier entgegengebracht wurde, ist unbeschreiblich und ich bin den Paaren sehr dankbar, dass sie mich in diesen intimen und magischen Momenten dabei haben wollten. Es waren spannende und total unterschiedliche Entbindungen. Die Freude über ein weiteres Familienmitglied oder sogar das erste Kind mitzuerleben und dem stolzen Vater beim Durchschneiden der Nabelschnur über die Schulter zu schauen, waren einzigartige Erlebnisse. Die ersten Stunden im Leben der Kleinsten zu verfolgen war das Größte. Besonders gefallen haben mir die U1-Untersuchungen der Neugeborenen unter Anleitung der Hebammen. Dabei ging es darum, das Kind von Kopf bis Fuß zu inspizieren, die ersten Bewegungen und Schreie zu beurteilen, es zu wiegen und zu messen, es dabei schön warm zu halten und in Sicherheit zu wiegen. Nachdem die Familien ihr Neugeborenes kennengelernt, erste Zärtlichkeiten ausgetauscht und sich bei dem ein oder anderen Snack erholt haben, wurde es Zeit, ihnen die besten Wünsche mit auf den Weg zu geben und sich zu verabschieden. Danach wurde natürlich alles wieder aufgeräumt, bevor es in den Feierabend ging, um im Morgengrauen nach Hause zu fahren, zu schlafen und von der nächste Geburt zu träumen.
Rückblickend hatte ich eine leider sehr kurze, dafür aber umso intensivere Zeit. Die Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, sind welche fürs ganze Leben und werden sicherlich noch lange nachklingen. An diese Arbeit werde ich mich immer positiv erinnern. Sie hat mir viel Spaß gemacht und ich habe mich jeden Tag mit einem guten Gefühl auf den Weg gemacht. Letztendlich hat mich die Begeisterung für diesen Beruf gepackt, sodass ich schon jetzt mit dem Gedanken gespielt habe, nach meinem Examen eine Ausbildung zum Entbindungshelfer zu machen.

Danke Bea, Inka, Kathrin, Marie, Miriam und Steffi für die unvergessliche Zeit!

Auch das Team vom Geburtshaus in Münster bedankt sich herzlich für den Einsatz unseres Schülers Constantin. Unsere besten Wünsche begleiten ihn auf seinem weiteren Weg und durch sämtliche berufliche Erfahrungen, die er mit Einsatzwillen, souverän angewandtem Fachwissen und großer Empathie meistern wird. Dessen sind wir sicher!